Ich denke, das ist der richtige Zeitpunkt um über eine der grundlegendsten Branding Elemente zu sprechen:
Dem Namen.
Ich bin sicherlich kein Experte beim Finden von kreativen Namen. Und eigentlich ist das ja auch überhaupt nicht Thema dieses Kurses.
Aber ich will Dich zumindest grundsätzlich auf das Thema aufmerksam machen. Damit Du zumindest nicht die gleichen Fehler machen musst wie ich 😉
Was ich dann aber auf jeden Fall kann, ist Dir einige praktische Tipps und Erfahrungen bei der Wahl des Domainnamen zu geben. Das folgt dann etwas weiter unten.
Dein Firmenname vs. Brand & Website Name
Vorab gleich eine Anmerkung:
Der Firmenname (also der tatsächliche Name Deiner Einzelfirma, der aus rechtlichen Gründen Deinen Familiennamen enthalten muss) muss grundsätzlich überhaupt nichts mit Deinem Brand-/Marken-Namen zu tun haben.
Sprich: Nenne Deine Einzelfirma ruhig etwas konservativer und allgemeiner alà „Meier Fitness Coaching“ oder „Müller Fotografie“.
Dann musst Du Deinen Firmennamen nicht gleich ändern, wenn sich Dein Fokus oder Spezialisierung verändert. Also Du Dich z.B. als Fotograf auf Hochzeitsfotografie spezialisierst oder Du neu auch Fotografie Kurse anbieten willst.
Deinen Brand bzw. Website (das, was potenzielle Kunden sehen) kannst Du hingegen grundsätzlich nennen wie Du willst (und hoffentlich etwas kreativer und auffälliger).
Z.B. könntest Du Deine Website und Brand „Strike a Pose“ nennen. Wo Du Kurse und Foto Shootings speziell für Influencer anbietest (das jetzt nur als spontane, ev. blöde Idee, um es zu veranschaulichen 🙂 ).
Die grösste Gefahr beim Namen: Das „ich dachte ich wäre clever, aber jetzt sehe ich einfach nur albern aus“ Syndrom.
Hier habe ich wohl den Volltreffer gelandet:
Meine Webdesign Selbständigkeit startete ich mit dem Namen „Nailed IT“. Der englische Ausdruck „nailed it“ heisst soviel wie, „den Nagel auf den Kopf getroffen“. Mit der Schreibweise IT wollte ich den Bezug zur IT (Informatik) Branche andeuten. Also Websites, die den Nagel auf den Kopf treffen.
Ich dachte, das wäre ziemlich kreativ.
Nur: Das verstand natürlich kein Mensch. Vor allem, da die Domain www.nailedit.ch war. Viele meiner Kunden lasen den Namen als „Nail Edit“ – obwohl die Schreibweise ansonsten auf der Website natürlich „Nailed IT“ war.
Der Höhepunkt war, als ich ein Facebook Profil anlegte, die Kategorien Webdesign und Online Marketing auswählte, und Facebook einige Wochen später doch tatsächlich die Kategorie Nagelstudio vorschlug (eben, „Nail Edit“, auf Deutsch „Nägel bearbeiten“…).
8020Webdesign war definitiv auch kein Meisterstück, aber nach diesem Desaster musste ich den Namen einfach so schnell wie möglich wechseln 😉
Und wie kommst Du jetzt zu einem guten Namen?
Wie gesagt, ich bin kein Experte auf dem Gebiet, aber ich kann Dir ein meiner Meinung nach ziemlich geniales Buch empfehlen: Hello, My Name is Awesome (leider nur auf Englisch, aber im Moment habe ich keine Empfehlung auf Deutsch).
Es ist mit knapp 200 Seiten kurz und knackig, äusserst unterhaltsam geschrieben und vor allem praktisch anwendbar.
Du kannst auch auf ihrer Website ein simples Quiz machen, das Dich durch ihr Hauptkonzept des Buches führt und Dir beim Bewerten Deines Namens hilft: https://eatmywords.com/free-name-evaluation-test/
Alternativ kann ich auch diesen Artikel empfehlen, der einen simplen, aber sehr ähnliche und effektive Vorgehensweise wie im Buch beschreibt: https://littlemight.com/articles/how-to-name-and-brand-a-product
Praktische Tipps für die Domain-Wahl
Wenn Du Deinen Brand Namen gefunden hast, brauchst Du noch die passende Domain dazu.
Hier einige Tipps zu den wichtigsten Fragen bzw. Entscheidungen:
Soll ich meinen Suchbegriff in der Domain verwenden?
Das sehe ich relativ häufig:
Es ist vor allem aus SEO-Sicht verlockend, den gewünschten Suchbegriff im (Domain-)Namen zu haben.
Beispiel: Jemand will für „personal trainer zürich“ ranken, also wählt er die Domain „www.personal-trainer-zuerich.ch“.
Aber:
Google hat schon lange bestätigt, dass sie diesem Trick die Luft aus den Segeln genommen hat. Eine Domain mit dem Suchbegriff hat keinerlei SEO-Vorteile.
Wenn also eine Website mit einem generischen Domain-Namen rankt, dann nicht wegen dem Namen, sondern einfach weil die Inhalte aus Googles Sicht Ranking-würdig sind (und es keine bessere Konkurrenz gibt).
Aber aus Branding bzw. Marketing Sicht ist ein generischer Domain bzw. Brand Name ein No-Go.
Aus dem Buch „The 22 Immutable Laws of Branding“:
„The Law of the Generic: One of the fastest routes to failure is giving a brand a generic name. The problem with a generic brand name is its inability to differentiate the brand from the competition.“
Auf gut Deutsch:
Mit einem generischen Namen kannst Du Dich schlicht nicht von der Konkurrenz abheben oder im Gedächtnis Deiner Kunden bleiben.
Dieser Artikel hat es in einem perfekten Vergleich auf den Punkt gebracht: Du würdest einem Menschen auch keinen beschreibenden Namen wie „Happy Blondie“ geben (zumindest selten in einem netten Zusammenhang 😉 ).

Oder anders erklärt: Wie viele generische erfolgreiche Marken kennst Du? Mir fällt keine ein. Bekannt ist zum Beispiel:
- Google.ch, nicht Suchmaschine.ch
- Digitec.ch, nicht ElektronikShop.ch oder PCTeile.ch
- Zalando.ch, nicht Schuhe.ch oder Kleider.ch
Wichtig: Das heisst nicht, dass der Name ein abstraktes Kunstwort wie „Google“ sein muss (übrigens, der Name „Google“ geht auf den Begriff „Googol“ zurück, der für eine Zahl mit einer Eins und Hundert Nullen steht).
Ein Teil des Namens darf durchaus beschreibend sein. Im Namen Digitec steckt z.B. digital und Technik, also man hat sofort eine Vorstellung davon, was Digitec anbietet.
Kurz gesagt:
Ich würde also wirklich davon abraten, einen rein generischen und beschreibenden Suchbegriff als Domain-Namen zu verwenden.
Der eigene Name als Domain?
Als Selbständiger stehst Du natürlich mit Deinem Namen für Deine Firma und Arbeit.
Und egal wie gut Dein Brand Name ist, viele Kunden werden sich sowieso primär an Deinen Namen erinnern, nicht an Deinen Brand Namen.
Also, warum nicht direkt Deinen Namen als Brand und Domain verwenden?
Nun, meiner Meinung nach kann das eine gute Option sein, falls Du keinen Allerweltsnamen hast und der Name auch einen gewissen Klang hat.
Es gibt sicher 10-20 Michael Brütsch in der Schweiz. Ausserdem klingt der Name nicht speziell. Ich persönlich nutze ihn darum nicht als Domain und Brand.
Aber egal wie Dein Name ist:
Mit dem Namen als Brand und Domain würdest Du auf jeden Fall nichts falsch machen.
Aber trotzdem: Ein guter „richtiger“ Brand Name ist natürlich immer besser.
Aber Du kannst Deinen Namen problemlos später um einen kreativen Brand oder Produkt Name ergänzen, weshalb Du damit eben meiner Meinung nach zumindest nichts falsch machst und eine solide Basis legst.
Welche Domain Endung soll ich verwenden?
Wenn Du ausschliesslich in der Schweiz tätig bist, empfehle ich Dir sehr, einfach auf die Schweizer .ch Domain zu setzen.
.com Domains sind zwar natürlich auch sehr geläufig, aber nur für internationale Firmen. Für Dich als Selbständigen willst Du unmittelbar klar machen, dass Du aus der Schweiz bist.
.org Domains sind eigentlich für Organisationen und Vereine, deshalb macht es sich einfach nicht gut, wenn man diese für geschäftliche Websites „missbraucht“. Rate ich also ab.
.net, .biz, .info: Diese Domains sind alle nicht sehr weit verbreitet. Ausserdem werden diese auch häufiger von Spam Websites genutzt, womit ich von diesen dringend abrate, um keine falschen Eindrücke zu hinterlassen.
Vor den ganzen neuen Endungen wie .swiss, .website, .shop, .online und was es alles gibt, würde ich tendenziell ebenfalls abraten.
Das Problem bei diesen ist, dass diese schlicht noch nicht sehr geläufig sind. Natürlich könnte man jetzt argumentieren, dass sich das in Zukunft ändern wird. Ich persönlich bezweifle das aber stark: Einerseits ist die Gewohnheit von .ch und .com doch sehr stark. Andererseits gibt es schlicht noch keine bekannten Seiten mit diesen Endungen (eben, etablierte Alltag-Websites nutzen alle .ch oder .com).
Und schliesslich hat man das Problem, dass sich die Leute die Endung kaum merken werden können, weil es so viele verschiedene davon gibt: War es jetzt .online? Oder .swiss? Oder .website? Oder gar etwas anderes?
Ich sage nicht, dass diese Domains jetzt per se schlecht sind. Aber ich persönlich würde immer zuerst auf .ch setzen. Als 2. Wahl würde ich noch auf eine .swiss setzen, da diese ebenfalls direkt klar macht, woher und an wen die Website gerichtet ist. Auf die anderen neuen Domain Endungen würde ich hingegen vorerst verzichten.
Domain mit oder ohne Bindestrich?
Was ist, wenn Dein Name aus 2-3 Wörtern besteht?
Grundsätzlich empfehle ich, wenn möglich beide Domains (also mit und ohne Bindestrich) zu registrieren. Und dann eine Domain aktiv zu nutzen, während die andere einfach automatisch auf die Hauptdomain weiterleitet (z.B. leitet flughafenzuerich.ch auf flughafen-zuerich.ch weiter).
Aber welche Version soll als Hauptdomain genutzt werden?
Meiner Meinung nach ist das wirklich reine Geschmackssache. Beide Versionen sind bei uns im deutschsprachigen Raum verbreitet (Beispiel: www.swisstennis.ch und www.swiss-ski.ch).
Im englischsprachigen Raum hingegen wäre übrigens der Bindestrich sehr unüblich, würde ich also definitiv die Version ohne Bindestrich wählen.
Beide Versionen haben gewisse Vor- bzw. Nachteile (aber diese sind wirklich minimal):
Die Version ohne Bindestrich lässt sich z.B. etwas leichter diktieren und ist einen Tick weiter verbreitet (wahrscheinlich weil es etwas kürzer und etwas einfacher einzugeben ist – speziell auch auf dem Smartphone).
Dafür lässt sich die Version mit Bindestrich etwas besser lesen.
Worauf ich aber unbedingt schauen würde, ist ob die Version ohne Bindestrich nicht plötzlich zweideutig wird (der Klassiker: penisland.net, also Pen Island).
In diesem Fall natürlich unbedingt die Version mit Bindestrich wählen (ausser Du willst bewusst etwas frecher und kontroverser sein) 😉
Ansonsten kannst Du wirklich einfach nach Gefühl gehen (oder das nehmen, was noch frei ist).
Was ist mit Umlauten im Domain Namen?
Domains mit Umlauten sind zwar heutzutage theoretisch möglich, aber technisch immer noch sehr problematisch, weil im Hintergrund die Umlaute umgewandelt werden müssen.
Hier ein Beispiel:
Wenn Du die Website https://www.lüönd.swiss/ aufrufst, dann klappt das im ersten Moment problemlos. Wenn Du dann aber die Domain im Browser kopierst und irgendwo einfügst, dann hast Du die im Hintergrund verwendete „echte“ (aber praktisch unleserliche) Domain kopiert: https://www.xn--lnd-sna3a.swiss/
Auch in E-Mail-Programmen können E-Mail-Adressen mit Umlauten Probleme verursachen.
Darum empfehle ich Folgendes: Registriere beide Domains, aber nutze unbedingt die Version ohne Umlaute (also ä, ö, ü umgeschrieben mit ae, oe, ue) als Hauptdomain.
Das mache ich z.B. beim Milchbüechli so: Damit kann ich die gut lesbare Milchbüechli.ch Domain überall problemlos verwenden, denn diese wird dann automatisch auf die tatsächliche Domain Milchbueechli.ch weitergeleitet. Auch die E-Mail-Adressen verwenden dann die tatsächliche Domain, z.B. info@milchbueechli.ch.
Problem gelöst bzw. umgangen 🙂
Domain mit oder ohne www?
Schliesslich musst Du noch entscheiden, ob Deine Website standardmässig mit oder ohne www. angezeigt werden soll.
Auch hier gilt natürlich: Wir leiten dann von der einen Version automatisch auf die andere Version weiter.
Diese Entscheidung ist eigentlich wirklich unwichtig, da z.B. im Google Chrome Browser mittlerweile nur noch google.ch angezeigt wird, obwohl es eigentlich www.google.ch ist.
Darum auch hier: Es ist rein Geschmackssache. Bzw. eben die Browser haben zumindest den Trend Richtung ohne www.
Ich persönlich verzichte bei neuen Websites mittlerweile auch auf das www, aber wie gesagt, das hat keinerlei (technische) Vorteile.
Übrigens als Tipp: Trotzdem würde ich die www Version z.B. auf Visitenkarten oder in der E-Mail-Signatur verwenden. Das Auge erkennt durch das www viel schneller, dass es sich um einen Website Link handelt.
Schau mir über die Schultern
Ich habe mich für die Variante marketingnerd.ch, also ohne www und ohne Bindestrich entschieden (wobei ich marketing-nerd.ch auch registriert habe).
Zum Namen „Marketing Nerd“ selbst:
Zuerst: Es ist natürlich immer schwierig, den eigenen Brand Namen zu bewerten.
Zugegeben, ich glaube nicht, dass der Name ein Geniestreich ist. Aber ich habe mir einige Gedanken gemacht und den Namen nach dem oben erwähnten Quiz (https://eatmywords.com/free-name-evaluation-test/) vom „Hello, My Name is Awesome“ Buch geprüft.
Hier ein paar Gedanken dazu, warum er meiner Meinung nach Potenzial hat:
- Durch die Kombination von 2 Wörtern (Marketing + Nerd), die eigentlich nicht zusammenpassen, fallt der Name schonmal auf. Das Problem dabei ist, dass der Begriff „Nerd“ wahrscheinlich nicht ganz allen Leuten geläufig ist. Damit kann ich aber leben. Zumindest „Marketing“ ist eindeutig, sodass man trotzdem gleich weiss, um was es geht.
- Wer den Begriff Nerd aber kennt, für den hat dieser gewisse Emotionen: Entweder man identifiziert sich als Nerd, oder aber man hat zumindest eine Meinung bzw. Bild vom Nerd vor Augen. Das kann zwar positive und negative Aspekte haben, aber negative Emotionen sind immer noch besser als Gleichgültigkeit. Und wie schon erklärt: Im Branding geht es nicht darum, allen Leuten gefallen zu wollen, sondern nur den richtigen Leuten.
- Der Name macht auch keine der häufigsten „Fehler“ gemäss dem Quiz: Er ist weder falsch noch schwierig zu schreiben, ist nicht von der Konkurrenz kopiert und sollte in Zukunft die Tätigkeiten nicht einschränken (Marketing ist schliesslich ein riesiges Thema).
Aber es muss sich dann natürlich noch zeigen, ob und wie der Name bei den Besuchern tatsächlich ankommt 🙂
Ciao Michael
Wir Berner liebäugeln hin und wieder mit der belgischen Endung .be. Kann man das machen oder ist das kontraproduktiv?
Beste Grüsse
Florian
Hallo Florian,
Kann man grundsätzlich natürlich auf jeden Fall machen, wenn man gezielt nur in Bern unterwegs ist (ich hatte mal eine St. Helena Domain .sh für Schaffhausen). Hat aber eben den gleichen Nachteil wie in der Lektion beschrieben mit den .swiss etc. Domains (dass sich die Leute merken müssen, dass es .be war). Wenn Du die .ch Domain aber auch nutzen kannst und auf .be weiterleitest, fällt das Problem auch weg. Und selbst wenn Du die .ch nicht hast: Ein wirklich grosses Problem ist es ja nicht.
Beste Grüsse,
Michael