Als nächstes inspizieren wir die Konkurrenz.
Deine Aufgabe, bevor es weitergeht:
Suche und notiere Dir die Websites von 3-5 direkten Konkurrenten heraus.
Mit „direkter“ Konkurrenz meine ich:
Wenn Du primär regional tätig bist (das dürfte ein Grossteil der Selbständigen sein), dann such auch gezielt die Konkurrenz in Deiner Region heraus.
Am einfachsten machst Du das mit 2-3 Google Suchanfragen „[Dein Angebot/Tätigkeit] + Region“, also z.B. „fotograf schaffhausen“, „webdesign bern“ oder „fitness coach zürich“.
Das machen wir aber nicht, um die Konkurrenz zu kopieren.
Im Gegenteil:
Wir wollen herausfinden, was alle gleich machen, damit wir uns dann davon abheben können.
Eine der wichtigsten und grundlegendsten Lektionen, an die mich das Buch „Wie die Welt Dich sieht“ wieder erinnert hat:
Anders ist besser als besser.
Normalerweise hat jede Branche einige typische grafische Merkmale und Eigenheiten.
Zum Beispiel gibt es in der Unternehmensberatung und Coaching häufig die immergleichen und langweiligen Motive mit Kompass, Segelschiffen oder Bergen.
Und wir wollen für unseren eigenen Brand natürlich vermeiden, dass er wie alle anderen aussieht.
Anders gesagt:
In jeder Branche nutzen die Meisten den gleichen der 7 Vorzüge. Ein paar spontane Beispiele:
- Treuhänder: Stabilität. Präsentieren sich als vertrauensvoll und zuverlässig.
- Anwälte: Prestige. Wer hat die besten Qualifikationen und am meisten Erfahrung.
- Grafikdesigner oder Werbeagenturen: Innovation. Neue und kreative Ideen sind gefragt.
- Ernährungsberater und Fitness Coaches: Emotion. Die persönliche Beziehung und Chemie muss passen.
- IT & Technologie: Innovation. Sprechen häufig von den neusten Technologien und Entwicklungen.
Das sind natürlich nur stark vereinfachte Beispiele (und Ausnahmen bestätigen die Regel 😉 ).
Was machst Du also, wenn Dein primärer Vorzug der gleiche ist wie der von allen anderen (was ja relativ häufig vorkommen dürfte)?
Ganz einfach:
Du lässt bewusst Deinen sekundären Vorzug einfliessen (oder machst ihn ev. sogar fast dominanter als Deinen primären Vorzug).
Denn es ist doch so:
Jeder erwartet von einem Treuhänder Stabilität und von einem Grafikdesigner Innovation. Das ist also Nichts, wo Du Dich von anderen abheben kannst.
Wenn Du aber Emotion oder Innovation oder welchen anderen Vorzug Du auch hast, durchscheinen lässt… dann wird es plötzlich interessant.
Ich denke, das ist auch der richtige Moment für ein paar Worte zum Thema „abkupfern“ oder „abschauen“:
Hier ein Zitat von Pablo Picasso:
Good Artists Copy; Great Artists Steal. (Gute Künstler kopieren, grossartige Künstler stehlen.)
Ein Zitat (und Philosophie), die auch Steve Jobs gelebt hat (hier ein ganz kurzes Video von Steve Jobs dazu):
Oder wer es etwas ausführlicher möchte, hier ein empfehlenswerter TEDx Talk vom „Steal Like an Artist“ Autor Austin Kleon:
Also: Ideen und Inspiration klauen? So viel und von wo Du kannst.
Einzelne Design Elemente, Grafiken oder Texte kopieren? Auf keinen Fall (und auch überhaupt nicht nötig!).
Ganz kurz zum rechtlichen Aspekt (wobei das natürlich keine Beratung ersetzt, aber ich würde mir um das Rechtliche sowieso nicht zu viele Gedanken machen):
- Das Urheberrecht schützt grundsätzlich den Text einer Website oder deren Gestaltung (das entsteht automatisch bei der Schöpfung, Du musst dafür nichts spezielles machen). Aber: Niemand kann z.B. einen bestimmten Button, Link oder Menü Effekt oder ein bestimmte Darstellung/Layout schützen. Wenn Dir also ein Button Design auf einer anderen Website gefällt: Kein Problem, baue es nach.
- Neben dem Urheberrecht gibt es noch den Markenschutz, Patentschutz und Designschutz. Diese müssen aber aktiv eingetragen werden. Wahrscheinlich sind diese nicht relevant für Dich. Trotzdem der Vollständigkeitshalber hier der Link zum Institut für Geistiges Eigentum mit weiteren Infos.
- (Geschäfts-)Ideen lassen sich nicht schützen. Erst die Umsetzung der Idee in eine konkrete Form geniesst urheberrechtlichen Schutz.
Schau mir über die Schultern
Mit MarketingNerd.ch will ich nicht regional, sondern grundsätzlich in der ganzen Schweiz agieren (also genau wie mit 8020Webdesign.ch und Milchbüechli.ch).
Das Vorgehen ist aber genau das Gleiche.
Zuerst suche ich in Google nach „marketing berater“.
Interessanterweise sind die meisten Suchresultate Informationen zu Ausbildungen sowie allgemeinen Infos zum Beruf und Job-Plattformen wie jobs.ch (sogar in den AdWords Anzeigen).
Aufgepasst: Das ist bereits eine wertvolle SEO Lektion!
Google zeigt Dir nämlich durch die Suchresultate ziemlich genau, was die tatsächliche Absicht hinter bestimmten Suchbegriffen ist.
Die meisten Leute die nach „marketing berater“ suchen, suchen also keinen Marketing Berater (wie man zuerst vermuten könnte), sondern Informationen zu Jobs und Ausbildungen (wollen also selber Marketing Berater werden).
Der Suchbegriff „marketing berater“ hat für mich also definitiv keine Priorität, um dafür in Google zu ranken. Denn er würde mir kaum potenzielle Kunden, sondern nur potenzielle zukünftige Konkurrenten bringen 😉
Daher probiere ich es als Nächstes mit „marketing blog schweiz“.
Was mir zwar aufgefallen ist:
Die meisten dieser Marketing Blogs sind von Agenturen. Agenturen sind zwar nicht meine direkte Konkurrenz (wie gesagt, ich will Selbständigen helfen, keine Agentur aufbauen und Grosskunden an Land ziehen).
Aber trotzdem: Selbständige, die über Google nach Marketing Themen suchen, landen früher oder später wahrscheinlich genau bei diesen Blogs.
Meine Aufgabe ist also, mich von genau diesen Agentur Blogs abzuheben.
Hier einige Screenshots diesen Agentur Websites bzw. deren Blogs:












Selbst in der eigentlich innovativen und kreativen Agenturwelt wirken alle Websites sehr ähnlich:
Praktisch alle Websites nutzen Blau als Akzentfarbe (mit 2 Ausreissern in Orange), oftmals kombiniert mit viel Weissraum und Grautönen, nutzen geradlinige und moderne Schriftarten und setzen insbesondere im Blog häufig auf die typischen Stockfotos (Menschen am Smartphone, an der Tastatur oder vor einem Bildschirm) oder bunte Illustrationen, Grafiken und Icons, welche die digitale Welt symbolisieren.
Keine Frage, die Websites sind alle sehr aufwändig und schön gemacht.
Aber:
Nur eine davon springt auf den ersten Blick heraus. Und das auf eine äusserst simple Art und Weise:
Die Website mit dem orangen Hintergrund (wobei dieses Merkmal im Blog dann leider wieder nicht so schön auffällig genutzt wird).
Du siehst: Wir machen keine aufwändige Analyse. Wir machen uns einfach nur ein grobes Bild darüber, was ein potenzieller Kunde sieht.
Und damit ist für mich klar, was ich mit meiner Website dann genau nicht (oder eben anders) machen werde – alles, was diese Konkurrenz Websites machen 🙂
Als ich in der Googlesuche nach für mich relevanten Stichworten suchte, um zu sehen, wer meine aktuelle Konkurrenz ist, war ich überrascht zu sehen, dass da plötzlich ganz andere Leute auftauchten, als ich vermutet hatte. Man sollte die Konkurenz also immer auch ein wenig im Auge behalten.